Momentan steht die Bundeswehr vor großen Herausforderungen. Noch dazu wollen in letzter Zeit vermehrt Soldaten aus dem Dienst entlassen werden. Bei der Bundeswehr gibt es seit Jahren massive Einsparungen bei Personal und Ausstattung. Immer wieder gibt es Berichte über eine miese Stimmung in den Truppen.

Doch Russlands aggressives Verhalten mit dem Einmarsch in der Ukraine scheint vielen vor Augen geführt zu haben, dass es vielleicht eine gute Idee wäre, sich mehr um die Bundeswehr zu kümmern. Eine Folge ist das Sondervermögen in Höhe von 100 Milliarden Euro, mit dem die Ausstattung verbessert werden soll. Personell wird die Bundeswehr künftig wohl auch stärker gefordert sein. So soll sie sich mit 15.000 Soldatinnen und Soldaten an der sogenannten schnellen Eingreiftruppe der NATO beteiligen. Im Ernstfall müsse die Soldatinnen und Soldaten innerhalb von zehn Tagen im Einsatzgebiet bereitstehen können. In Litauen führt die Bundeswehr bereits einen Kampfverband der NATO an und ist dort zur Sicherung der osteuropäischen Staaten mit rund 1.000 Kräften vor Ort.

Unsere Truppe steht nun also seit Jahren wieder im Fokus und angeblich verweigern gerade seit dem Ukraine-Krieg mehr Soldatinnen und Soldaten den Kriegsdienst und wollen damit aus dem Bundeswehr-Dienst entlassen werden. Und tatsächlich wurden bis Anfang Juni 533 Anträge auf Kriegsdienstverweigerung gestellt. Im vergangenen Jahr waren es nur 209 Anträge. Gerade jetzt, wo die möglichen kriegerischen Gefahren präsenter sind wollen mehr Soldatinnen und Soldaten raus aus der Bundeswehr. Das wurde von einem Sprecher des zuständigen Bundesfamilienministeriums indirekt bestätigt. Häufig würden die Anträge damit begründet, „dass sie mit einer kriegerischen Auseinandersetzung nicht gerechnet hätten“.

Als Otto Normal denkt man sich nur, dass man als Soldatin oder Soldat ja damit rechnen muss, eingesetzt zu werden. Natürlich gibt es auch Menschen, die blauäugig an den Beruf herangehen. Aber für diejenigen, die sich jetzt gegen den Dienst an der Waffe entscheiden, kommt von Seiten der Bundeswehr auch Verständnis. „Sicherlich, jetzt wo das erste Mal ein Krieg in Europa stattfindet, wird das für viele ein ganzes Stück realer. Deswegen ist das eine menschliche Reaktion, da die eigenen Entscheidungen noch einmal zu überdenken“, teilt die Presseabteilung mit.

Aber man muss sich nun nicht darum sorgen, dass die Bundeswehr nun deutlich schrumpft. Denn setzt man die bislang 533 Anträge ins Verhältnis zur Gesamtzahl der Soldatinnen und Soldaten, wird deutlich, dass es nur um einen kleinen Anteil geht. Momentan gibt es laut Bundeswehr 55.797 Berufssoldatinnen und Berufssoldaten sowie 117.944 Soldatinnen und Soldaten auf Zeit.